Ich habe beschlossen, meinen Freund nun auch hier einzubinden, da er ein Nordlicht (liebevoll auch Fischkopf genannt
) ist und es bei uns auch so einige sprachliche Barrieren zu überwinden galt und gilt
Als er zum ersten Mal bei mir zu Besuch war, fragte ich ihn, ob er einen Sprudel oder Leitungswasser möchte, da ich etwas anderes leider nicht im Angebot hätte. Daraufhin meinte er, er hätte gerne Leitungswasser. Also stellte ich ihm ein Leitungswasser hin und nahm mir die Flasche Sprudel und ein Glas mit an den Tisch. Da schaut er mich verdutzt an:
“Ach, Mineralwasser haste auch?“
meinen verwirrten Blick daraufhin, können sich vermutlich erstmal nur die Süddeutschen vorstellen
ioeides: “Ich hatte dir doch einen Sprudel angeboten??“
- “Ja, aber das da ist doch Mineralwasser?“
ioeides (dämmerts allmählich): “Ja, sagt ihr da nicht Sprudel dazu?“
Nein, denn der Sprudel, der bei uns süß (Zitronenlimonade), sauer (Mineralwasser) oder gelb (Orangenlimonade) sein kann, ist bei den Nordlichtern anscheinend lediglich die Zitronenlimonade!
Wie er hier in Sachsen genannt wird, muss ich noch rausfinden ![]()
..beim Termin ausmachen:
Trainer: “Wann würde es denn gut passen?“
ioeides: “Also meistens kann ich erst ab 19 Uhr, nur Freitags ging’s auch ab 17 Uhr…“
Trainer: “Dann Freitag 17 Uhr?“
ioeides: “Jop, des wär ned schlechd!“
Trainer (verdutzt): “Wo kommst du denn her?“
….oO((uuups))
…da kam’s mal wieder heftig durch, so kurz nach dem Heimaturlaub (Weihnachten)!
Ich hätte ja nicht gedacht, dass es tatsächlich mal ein aktuelles politisches Thema geben würde, das zum Thema meines Blogs passt. Und kaum hab ich meinen Blog eröffnet – schwubbs – da ist es da…
Ich beziehe mich also auf diesen Artikel und auch die Kommentare im Forum. Dort werden diverse Fragen gestellt und Aussagen gemacht, bei denen ich mich schon wundere, wie kleinkariert man sein kann.
Wie schon unter “ioeides ist…” zu lesen ist, liebe ich regionale Unterschiede und Dialekte. Und ja, ich liebe auch meinen Dialekt. Und ich habe nicht das geringste Problem damit (und ich kenne auch niemanden, der das hätte), wenn ein “Fremder” (=Nicht-Schwabe) in Schwaben seinen Dialekt pflegt – so lange man ihn versteht und er nicht will, dass alle so sprechen. Ich liebe diese Vielfalt! Schrippe, Wecken, Brötchen, Semmeln…wen juckt’s denn bitte, wie es genannt wird? Ist doch mittlerweile weithin bekannt, was das heißt. Ich freu mich, wenn jemand seinen Dialekt pflegt – egal ob in der Heimat oder “neigschmeckt”. Ich will meinen Dialekt auch nicht verlieren, nur weil ich umgezogen bin. Klar versuch ich mich anzupassen und spreche deutlich mehr Hochdeutsch, aber ich kann es auch nicht verhindern, dass hin und wieder mal was durch kommt. Und wer einem das übel nimmt, doch, ich denke, da kann man wohl tatsächlich von “Fremdenhass” sprechen.
Was die angebliche Verschlossenheit der Schwaben betrifft – ich persönlich habe früher mit Sicherheit eher verschlossen auf andere gewirkt. Das lag bei mir persönlich aber daran, dass ich sehr lange Zeit nur Badenser (ich mein das durchaus neckisch
) und Bayern kennen gelernt hatte, die mir mit unverhohlener, ehrlicher Abneigung begegnet sind, ohne dass sie mich auch nur annähernd kannten – weil ich ja ein scheiss Schwabe sei. Geändert hat sich das bei mir erst im Studium, wo ich auch meinen Fischkopf (liebevoll!) kennen gelernt habe, meinen Freund, ein Nordlicht, der meinen Dialekt süß findet. Natürlich krieg ich trotzdem noch vereinzelt sinnlose, dumme Anfeindungen zu spüren, aber da denk ich mir mittlerweile nur, dass das eben kleingeistige Hohlköpfe sind und steh drüber.
Nach dem Artikel und den Kommentaren im SPON-Forum, frag ich mich gerade allerdings, wie diese offensichtlich recht allgemeine Abneigung gegen Schwaben so stark verbreitet sein kann? Ich mein, klar, ich kenn auch genug Schwaben, die ich nicht leiden kann – weil es überall Menschen gibt, mit denen man sympathisiert oder eben auch nicht. Aber was soll das denn? Noch befremdlicher finde ich den Ruf nach Multikulti, der in einem Satz mit der Abneigung gegen Schwaben und das “Weckle” ausgesprochen wird und dass es doch tatsächlich in Berlin Wände zu geben scheint, auf denen “Schwaben raus” angesprayt wurde. Merken die selbst gar nicht, wie widersprüchlich das ist? Und denken die tatsächlich, dass solche Aktionen dazu führen, dass die Schwaben offener werden? Denn offenbar wird ja unter anderem die Verschlossenheit angeprangert. Abgesehen davon, dass der Spruch “Schwaben raus” auch nicht gerade von Offenheit zeugt.
Ich kann echt nur den Kopf schütteln, und mich darüber freuen, dass mir hier in Dresden bisher immer freundlich begegnet wurde. Wenn mein Dialekt durch kam, wurde ich gefragt, wie es mich nach Dresden verschlagen hat und ich wurde immer willkommen geheißen. Und es war dann durchaus auch eine angenehme und lustige Angelegenheit, die sprachlichen Unterschiede zu diskutieren.
…Ich liebe Funde aus alten Zeiten, an denen man merkt, dass früher doch einiges noch anders war (egal ob positiv oder negativ). Damit meine ich jetzt nicht Game-Boys, Telefonzellen-Geldkarten, Handys mit Antenne, alte 5,25″ Zoll Disketten, Kasetten, Schallplatten… – obwohl die bei mir auch schon Nostalgie auslösen
Sondern ich rede von den Dingen, die schon da waren, bevor ich überhaupt geplant war, der Zeit meiner Eltern und Großeltern, die eigentlich auch nicht derart lange her ist, aber in der sich tatsächlich so einiges getan hat.
Zum Beispiel:
1) Das Physik-Skript aus dem Studium meines Vaters. Das war mit einer Schreibmaschine geschrieben und die griechischen Buchstaben wurden von Hand eingetragen.
2) Die Synthese-Vorschriften aus den 50er/60er Jahren, laut denen man das (giftige) Lösemittel Benzol an einem “luftigen Ort” abdampfen lassen sollte
3) Das Kochbuch meiner Omi, in dem es gefühlte 10 Rezepte für Speisen aus Eiern und gute 20 für Gerichte aus Kartoffeln gibt. Not macht wirklich erfinderisch!
4) Das alte Buch, das meine Oma zur Hochzeit bekam, in dem beschrieben wird, wie eine gute Ehefrau zu sein hat.
(Liste wird bei Bedarf erweitert)
Eine Freundin ist zu Besuch, wir laufen beim Bäcker vorbei, davor steht in großen Buchstaben auf einer grünen Tafel:
“FRISCHE PFANNKUCHEN!”
Sie rennt hin, hält Ausschau nach den leckeren Pfannkuchen, die jetzt genau das richtige wären… und dann steht ihr die Enttäuschung regelrecht ins Gesicht geschrieben:
Deren Pfannkuchen sind unsere Berliner (die Krapfen mit der Marmeladefüllung). Und unsere Pfannkuchen nennt man hier Eierkuchen (Crèpes).
Schade!
Einige Wochen später hab ich beim Bäcker wieder Berliner in der Auslage gesehen, benannt waren sie als “Fettgebäck” – das ist auf jeden Fall ehrlich
Und heute im Angebot:
Maultaschen mit Kraut und Tomatensoße
…warum nur tut man diesen köstlichen Dingern (ich meine die Maultaschen) so etwas an??? Als Schwäbin leide ich hier ganz besonders! ![]()
Habe das Gericht dann ohne Kraut und Tomatensoße genommen, und auch wenn die sogenannten Maultaschen eigtl. eher Ravioli mit ganzen Erbsen und Karottenstücken waren, waren sie doch durchaus genießbar
Und wer sich jetzt (wie meine Kollegen) fragt, wie man die denn sonst isst, dafür gibt es grob 3 Arten:
1) Geschmälzt mit Zwiebeln
2) In der Brühe
3) In Scheiben geschnitten und geröstet mit Ei
Und die Varianten 1) und 3) dürfen noch mit Kartoffelsalat (schwäbisch, mit Essig/Öl/Brühe!) erweitert werden.
Ich gehe in die Apotheke…
“Guten Tag, hätten Sie vielleicht gelbe Säcke für mich?“
Die Dame hinter der Theke schaut mich verdutzt an…
“Gelbe Säcke?” – Sie lacht – “Nein, das haben wir hier nicht.“
… “Und wo könnte ich so etwas denn herkriegen?“
Die andere Apothekerin, die schon die ganze Zeit verdutzt zu mir rüber schaut, mischt sich ein….
“Fragen Sie doch mal auf dem Ortsamt nach!“
…
Ich bedanke mich höflich und laufe Richtung Ausgang. Da hör ich, wie die beiden sich (mit belustigtem Ton) unterhalten:
“Hast du sowas schonmal erlebt?” – “Dass jemand in der Apotheke nach gelben Säcken fragt? Nein, wirklich nicht!“
Ich höre das, drehe mich nochmal um, und möchte mein “seltsames” Verhalten kurz erklären:
“In Baden-Württemberg bekommt man die immer in der Apotheke, daher meine Frage…“
…wie gut, dass 100 m weiter die nächste Apotheke ist, die ich dann künftig für Medikamente aufsuchen werde